CHRONIK

1802: Karlsdorf, 1894: Karolyfalva, 1911: Nagykarolyfalva, 1912: Oca, 1922: Karlzdorf, 1926: Banatski Karlovac. Mit dem Dekret des Kriegsrates vom 17. September 1800, wurde die Gründung einer Siedlung auf den Ackergütern „Podbrešće“ und „Kleiner Alibunar“ für die deutschen Siedler aus dem Reich befohlen. 1801 wurde die Siedlung organisiert, am 14. Mai kamen schon 212 Familien an. Am 25. Juli hat der Kriegsrat die Genehmigung erteilt, die Siedlung nach dem Erzherzog Karl, „Karlsdorf“ zu benennen. Neben schon erwähnten 2 Ackergütern wurde dem Gebiet von Karlsdorf noch das Ackergut „Oča“ zugeschrieben. Im Frühjahr 1803 zogen die Siedler in ihre Häuser ein. Am 28. Oktober wurde der Friedhof eingeweiht. Ende November 1804 bekam die Siedlung einen Pfarrer, und 1806 hat man begonnen, die Kirche zu bauen. An Stelle mancher verstorbenen Siedler, zogen die anderen zu, manche aus Krašova. 1809 gab es 190 Siedler-Haushalte. 1806 wurden 616 Angehörige der katholischen Kirche registriert. Die Bevölkerungszahl wuchs schnell. 1827 gab es schon 1637 Einwohner, wovon 1615 Katholiken, 13 orthodoxe Christen, 9 Protestanten. 1837 wurde 1725 Einwohner registriert, wovon 1702 Katholiken, 15 orthodoxe Christen, 8 Protestanten waren. Bevölkerungszuwachs war in diesen Jahren schwach wegen Cholera, die vom 21. August bis zum 7. September 1831 herrschte. 1834 wurde eine Kapelan-Stelle eingerichtet. 1845 wurde Karlsdorf, das bis dahin zum deutsch-banatischen Grenzregiment angehörte, dem serbisch-banatischen zugeschrieben und wurde der Sitz der Kompanie. Im selben Jahr gründeten die Handwerker ihre Dachorganisation. Während der Militäroperationen 1848 hat das alibunar’sche Lager der serbischen Armee in Karlsdorf ihren Vorposten, der am 30. November und am 8. Dezember von den Ungarn zurückgedrängt wurde, wobei 112 Soldaten gefallen sind. 1849 hat die Heuschreckenplage großen Schaden angerichtet. Werschetzer eilten den Einwohnern zur Hilfe, um Heuschrecken zu vernichten. 1854 wurden im Ort 2278, und in der Kompanie, welcher außer Karlsdorf noch Petrovo Selo und Nikolinci angehörten, 9430 Seelen registriert. 1869 eröffnete Gustav Jaros die erste Apotheke. Im selben Jahr gründete Lorenc Kalitović das Ziegelwerk. 1870 wurde der Postdienst eingerichtet; 1871 Telegraf- und 1893 Telefondienst. 1874 wurde der Gemeinde die Veranstaltung der wöchentlichen und jährlichen Märkte genehmigt. 1873 wurde Karlsdorf dem temeschvarer Komitee angeschlossen , wurde der Sitz des Kreisgerichtes und bekam das Bezirksgericht. Aber schon 1876 wurde das Kreisgericht nach Weißkirchen verlegt. 1881 wurde die Grundbuchführung eingerichtet. 1890 wurde das neue Gemeindehaus gebaut. 1874 wurde das Geldinstitut „Karlsdorfer Sparcassa“ Aktiengesellschaft gegründet, und 1882 der „Karlsdorfer Spar- und Kreditverein“, der 1884 als erster Aktiengesellschaft wurde. 1873 gründete Filip Herc eine Salami- und Fleischfabrik, und 1879 einen gut eingerichteten Viehhof. Von den Gesellschaften sollten folgende erwähnt werden: Landwirtschaftsgesellschaft (gegründet 1868), Kasina (gegr. 1879), Freiwillige Feuerwehr (gegr. 1884), Bestattungsgesellschaft (gegr. 1891), Ackerbaugesellschaft (gegr. 1901). 1875 errichtete Filip Herc ein modernes Hotel. 1880 wurde ein Teil des Marktes als Park angelegt. 1883 errichten Johan Matje und seine Gattin die Friedhofskapelle, die St. Martin gewidmet wurde. 1885 wurde die römisch-katholische Gemeinde organisiert. Am 8. Dezember 1894 wurde auf der Neusatzer Strecke Werschetz-Kubin der Karlsdorfer Bahnhof eingeweiht. 1894 wurde die Lehrlingsschule und 1898 die Landwirtschaftsschule gegründet. Am 1. September 1900 übernahm der Staat die Gemeindegrundschule und führte Ungarisch als Unterrichtssprache ein. 1902 wurde das neue Schulgebäude mit acht Klassenräumen errichtet. 1884 umfasste das Gemeindegebiet 7355  Joch, davon 4330 Joch 

Ackerland und 1618 Joch Weidenland. 190 Joch wurden mit Weinreben angebaut. Als Phylloxera (Reblaus) alle Weingärten vernichtete und mit dem Wiederaufbau der gleichen im benachbarten Deliblatska Pesčara begonnen wurde, unterhielten dort die Karlsdorfer schon im Jahre 1894 1186 Joch, mit Weinreben angebaut. 1895 wurden in Peščara die Vekerl-Kolonie und die Berggemeinde gegründet. Zwischen 1897 und 1902 erschien in Karlsdorf die Zeitung „Karolyfayaer Wochennlau“. Der Redakteur war der damalige Rechtsanwalt Dr. Jovan Vener, und sie wurde in der Werschetzer Druckerei Vetela und Veronica gedruckt. 1903 hat die „Karlsdorfska Štedionica“ AG („Karlsdorfer Sparkasse) ihren Sitz nach Weißkirchen verlegt, und in Karlsdorf blieb lediglich eine Filiale derselben Sparkasse. 1915 hat auch „Zavod za štednju i predujam“ („Anstalt für Sparen und Vorschuss“) ihre selbständige Arbeit eingestellt und wurde zur Filiale der „Pančevačka Pučka Banka“ (Pančevoer Volksbank). 1907 wurde der wöchentliche Markt zum Bahnhof verlegt und im folgenden Jahr, 1908, auch der jährliche Markt. Zu diesem Zweck wurde das Gelände aufgeschüttet und planiert. Am 11. Mai 1908 starb Anzela Fidel, der ab dem 30. April 1879 der Gemeindenotar in Karlsdorf war. Der Leichnam wurde in sein Heimatdorf Orcilorf überführt. Der verstorbene Fidel hat während seines langjährigen und gewissenhaften Dienstes viel für die Entwicklung der Karlsdorfer Gemeinde getan. 1910 wurde die Landvermessung ausgeführt und im nachfolgenden Jahr wurden die Katasterposten verbucht. Mit  dieser Arbeit diente die Karlsdorfer Gemeinde den anderen Gemeinden als Vorbild. 1911 wurden der Viehbestand registriert. Registriert wurden 587 Horntiere, 646 Pferde, 6 Esel, 2132 Schweine und 1583 Schafe. Den Fortschritt dieser wohlhabenden Gemeinde zeigt am besten der Bevölkerungszuwachs. Registriert wurden: 1869: 2762, 1880: 2832, 1890: 3378, 1900: 3304, 1910: 3835 Einwohner. 1889 betrug das Gemeindeeigentum 83.493 fl. 76 kr., und Steuer 9.124 fl. 07 kr. 1908 war reines Eigentum 342.907 K., und die gesamte Steuer 64.031 K., pro Kopf 183 K. Im Weltkrieg wurden 632 Einwohner eingezogen, wovon 40 gefallen waren oder verschollen sind. Die Gemeinde stellte 201 Wagen, 70 Reitpferde und 1400 Horntiere. Vom Krieg blieben 74 Invaliden. Während des Putsches (1918) wurden im Ort die Ruhe und Ordnung bewahrt. Im November besetzte die serbische Armee Karlsdorf, das zu einem Teil des Torontalsker-Tamišer Landkreises wurde. 1921 wurden 3604 Einwohner registriert, wovon 101 Serben, 2 Tschechoslowaken, 21 andere Slawen, 44 Rumänen, 1 Italiener, 3360 Deutschen, 74 Ungarn waren. Am 6. November 1928 wurden die Wahlen für die neue Gemeindevertretung abgehalten, die am 23. November konstituiert wurde. 1915 wurde der Zufluss an Geld und Reichtum festgestellt, worauf das Unternehmertum bei der Bevölkerung wuchs. Es wurden die Fragen der Errichtung einer Elektrozentrale, der Regulierung und Pflasterung der Strassen, der Errichtung des Marktes, der Verschönerung des Parks usw. aufgeworfen und diskutiert. Wichtig war das Jahr 1923. Mit einer Summe von 400.000 Dinar, wovon die Hälfte auf die Gemeinde fiel, wurde die Elektrozentrale errichtet. Die Herc´sche Salami- und Fleischfabrik schlachtete täglich rund 100 Schweine, was sich positiv auf die Haltung und den Handel mit den Schweinen auswirkte. Jovan Per bekam staatliche Hilfe und errichtete eine Maschinenfabrik, welche aber schon 1925 Konkurs anmeldete. Es wurde ein artesisches, gemeinschaftliches Brunnenbad eröffnet. Das Herc´sche Hotel wurde erweitert und ein mit Parkettboden belegter Saal für das Theater, Feste und Tanzveranstaltungen angebaut. „Agrikola AG“ richtete einen Betrieb mit den nötigen Vorrichtungen für die Maistrocknung, aber der gleiche stellte schon 1925 seinen Betrieb ein. Leopold Polde eröffnete ein Foto-Atelier, und Matija Jeger eine Möbelfabrik, die 1927 ausbrannte. Die zum Bahnhof führende Strasse wurde mit vertikal liegenden Ziegeln gepflastert. Polizei wurde neu organisiert und die Anzahl der Burschen auf 17 erhöht. Im gleichen Jahr hörte Kasina auf zu existieren. Die Karlsdorfer Märkte wurden so bedeutend, so dass sie den wöchentlichen Märkten in Werschetz und Weißkirchen schadeten. 1926 wurde in Karlsdorf die Forstsektion für Deliblatska Peščara Gebiet eröffnet. Im gleichen Jahr wurde der serbische Lesesaal eröffnet und beim Bahnhof errichtete man das Denkmal, den im Jahr 1848 gefallenen Serben. In der ersten Hälfte des Jahres 1927, wurden die ersten 8 Funkempfänger installiert. Karlsdorf ist heute im serbischen Banat das intelligenteste und das fortschrittlichste Dorf.

 

Verfasst:               Felix Milleker, Kustos und Bibliothekar der Stadtbücherei und des Museums in Werschetz, Pantschowa, 1929

 

Überarbeitet:          Branislav Bjelic

 Übersetzung:          www.dolmetscher-service.de  

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